Wie entscheidet ein Unternehmen, wenn wirtschaftlicher Erfolg und Nachhaltigkeit scheinbar gegeneinanderstehen?
Und wie kann man relevante Kriterien identifizieren und nachvollziehbar messbar machen um sie in der Entscheidungsfindung und Unternehmenssteuerung einsetzen zu können?
Mit genau diesen Fragen beschäftigen sich Studierende in der Lehrveranstaltung „Nachhaltigkeitscontrolling“ von Sebastian Gell im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der FH Aachen.
Statt Nachhaltigkeit nur theoretisch zu diskutieren, lernen die Studierenden hier, wie Nachhaltigkeit konkret in Unternehmensentscheidungen integriert werden kann – und warum das heute für viele Organisationen eine zentrale Herausforderung ist.
Grundverständnis zum Thema Nachhaltigkeit
Zu Beginn der Veranstaltung lernen die Studierenden wichtige Grundkonzepte der Nachhaltigkeit kennen:
- Was versteht man unter Nachhaltigkeit?
- Was sind globale Nachhaltigkeitsziele und wie werden diese messbar gemacht?
Themen wie die Sustainable Development Goals, das Pariser Klimaschutzabkommen und die planetaren Grenzen bilden zentrale Bezugspunkte im Bereich der ökologischen Nachhaltigkeit. Darüber hinaus werden auch die soziale Nachhaltigkeit sowie die Frage behandelt, welche Verantwortung ein Unternehmen gegenüber seinen Mitarbeitenden, Kunden und der Gesellschaft insgesamt trägt
Auch für Unternehmen ist das Thema Nachhaltigkeit längst kein Randthema mehr und muss daher in die bestehenden Steuerungs- und Entscheidungsprozesse und damit in das Controlling integriert werden.
Unternehmen im Zeichen der nachhaltigen Transformation
Die notwendige nachhaltige Transformation von Unternehmen wird auch durch regulatorische Vorgaben der Europäischen Union vorangetrieben: Im Fokus der Vorlesung stehen hier die Offenlegungs- und Berichtspflichten gemäß der EU-Taxonomie sowie der Corporate Sustainability Reporting Directive, kurz CSRD, und wie sich diese konkret auf Unternehmen auswirken. Mit der Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in die Berichterstattung und Unternehmenssteuerung gehen vielfältige Herausforderungen einher, die ebenfalls thematisiert werden. So sind Nachhaltigkeitsinformationen oft schwer messbar und die Ursache-Wirkungszusammenhänge vielmals komplex und nicht linear. Darüber hinaus erfordert eine nachhaltige Transformation Veränderungen in Führung, Strategie und Organisation von Unternehmen. Unternehmen stehen vor der Aufgabe, neue Denk- und Handlungsweisen zu fördern, um den vielfältigen Anforderungen – inklusive dem eigenen Nachhaltigkeitsanspruch – gerecht zu werden.
Nachhaltigkeitsthemen identifizieren, operationalisieren und messbar machen
Wie können Nachhaltigkeitsaspekte konkret in der Unternehmenssteuerung berücksichtigt werden?
Im zweiten Teil der Veranstaltung lernen die Studierenden konkrete Methoden und Instrumente des Nachhaltigkeitscontrolling kennen. Diese helfen Unternehmen dabei, strategisch relevante Themen zu identifizieren, in konkrete Maßnahmen zu überführen und mithilfe geeigneter Kennzahlen ihren Umsetzungsstand sowie ihre Entwicklung messbar zu machen. Zu den Tools und Instrumenten gehören beispielsweise:
- Wesentlichkeitsanalyse
- Strategie Analysen wie PESTEL
- Sustainability Balanced Scorecard
- Nachhaltigkeitskennzahlen (KPIs)
- Investitionsentscheidungen unter Nachhaltigkeitsaspekten
Lernen an realen Projekten
Besonders spannend wird die Veranstaltung dort, wo Theorie und Praxis zusammenkommen. Dafür kommen in der Vorlesung und darüber hinaus verschiedene Formate zum Einsatz:
In Fachvorträgen zeigen Expertinnen und Experten, wie Nachhaltigkeit in Unternehmen konkret gesteuert und gemessen wird. Die Studierenden erhalten so direkte Einblicke in aktuelle Herausforderungen der Unternehmenspraxis und lernen kennen, mit welchen Methoden Unternehmen diesen begegnen. Darüber hinaus können sie in Workshops mit realen Unternehmen selbst aktiv werden, Lösungsansätze entwickeln und ihre Ergebnisse präsentieren. Auch praxisbezogene Abschlussarbeiten in Kooperation mit Unternehmen bieten die Möglichkeit, das im Studium erworbene Wissen frühzeitig praktisch anzuwenden. Nicht zuletzt aufgrund der hohen Relevanz dieses noch jungen Themenfeldes sind viele Unternehmen offen für entsprechende Kooperationen.

Nachhaltigkeit bedeutet auch: mit Zielkonflikten umgehen
Ein zentrales Thema der Veranstaltung sind Zielkonflikte.
Wie geht ein Unternehmen damit um, wenn wirtschaftliches Wachstum mit Ressourcenschutz kollidiert?
Oder wenn globale Lieferketten zwar Kosten senken, gleichzeitig aber soziale Fragen aufwerfen?
Solche Spannungsfelder werden in der Vorlesung bewusst diskutiert. Die Studierenden lernen dabei, Nachhaltigkeit systemisch zu betrachten und Lösungen zu entwickeln, die ökologische, soziale und ökonomische Aspekte zusammen denken.
Vorbereitung auf eine Arbeitswelt im Wandel
Für Unternehmen gewinnt Nachhaltigkeit zunehmend an Bedeutung. Die Studierenden erwerben daher Kompetenzen, die auch auf dem Arbeitsmarkt immer wichtiger werden:
- komplexe Transformationsprozesse analysieren
- nachhaltige Strategien entwickeln
- Verantwortung in wirtschaftlichen Entscheidungsprozessen reflektieren.
So wird die Lehrveranstaltung zu einem Beispiel dafür, wie Hochschullehre Studierende auf die Herausforderungen einer sich wandelnden Wirtschaft vorbereiten kann.
Lehrinnovation sichtbar machen
Praxisbeispiele wie dieses zeigen, wie Lehrende an der FH Aachen zentrale Zukunftsthemen bereits heute in ihre Lehrveranstaltungen integrieren.
Sie können zugleich Inspiration für andere Lehrende sein – etwa für die Integration von Nachhaltigkeit in bestehende Module, für praxisnahe Projektformate.
