Ankommen im Studium

Ein digitales Onboarding-Angebot der FH Aachen

Was bedeutet „Onboarding“ – und warum sollte es nicht nur beim Start in einen neuen Job eine Rolle spielen? Mit dem Projekt „Digitales Onboarding-Angebot“ möchten wir Studienanfänger:innen Orientierung geben, wichtige Informationen bündeln und das Ankommen an der FH Aachen erleichtern.

Die ersten Wochen: aufregend und überfordernd

Erinnern wir uns einmal an unsere ersten Wochen im Studium. Was hieß es damals, von der Schule an eine Hochschule oder Universität zu wechseln?

Vielleicht pendeln wir in den ersten Wochen täglich drei Stunden mit dem Zug, weil wir noch kein WG-Zimmer gefunden haben. Mit Lageplan in der Hand suchen wir den richtigen Raum und fragen uns durch mehrere Sekretariate. Im Vorlesungssaal riecht es nach Holz und nach rauchenden Köpfen. Und im ersten Seminar erfahren wir, dass es einen Vorkurs gegeben hätte, dessen Besuch uns den Einstieg erleichtert hätte.

Klingt das vertraut? Der Studienstart kann Aufregung und Neugier auslösen, aber auch frustrieren und überfordern.

In der Schule waren viele Abläufe vorgegeben. Im Studium müssen wir plötzlich vieles selbst organisieren: den Stundenplan zusammenstellen, das Semesterticket beantragen, die Prüfungsordnung verstehen, Pflichtveranstaltungen im Blick behalten und BAföG beantragen. Gleichzeitig ist die Wohnungssuche ohne SCHUFA-Auskunft oft ein echter Kraftakt. Dazu kommen Vorkurse und die Ersti-Woche. Heinz, der Nachbar unserer Eltern, ist sich sicher: Wer daran nicht teilnimmt, findet keine Freund:innen!!!

Wie soll man dabei den Überblick behalten, wenn man vielleicht als erste Person in der Familie studiert, Deutsch nicht als Erstsprache spricht oder mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hat?

Warum Orientierung beim Studienstart wichtig ist

Die im Rahmen der DESE-Studie ermittelten Zahlen unserer Hochschule zu Studienabbrüchen und der Rolle der Studieneingangsphase verdeutlichen, wie unterschiedlich die Voraussetzungen der Studierenden sind: Von 1.081 befragten Erstsemesterstudierenden sind 43 % Erstakademiker:innen, 58 % haben einen Migrationshintergrund und 31 % haben finanzielle Schwierigkeiten (vgl. die Ergebnisse der DESE-Studie „1. Semester ist Frühindikator für Studien(miss)erfolg“ Login erforderlich!)1. Die Merkmale können sich überschneiden, weshalb sich die Prozentwerte nicht zu 100 % addieren.

Deshalb nehmen wir die Studieneingangsphase besonders in den Blick. Unser Ziel ist es, den Start ins Studium zu verbessern. Eine Maßnahme ist das Projekt „Digitales Onboarding-Angebot“2. Gemeinsam mit verschiedenen Akteur:innen der Hochschule und Studierenden haben wir über mehrere Monate Ideen, Lösungen und Prototypen entwickelt. Daraus ist das digitale Angebot „Ankommen im Studium“ entstanden – ein zweisprachiges Angebot in ILIAS.

Wir möchten den „Erstis“ den Einstieg erleichtern. Sie sollen sich schneller an der Hochschule zurechtfinden, sich mit ihr und anderen Studierenden verbunden fühlen und erste Antworten auf ihre Fragen erhalten.

Konkret verfolgen wir mit dem digitalen Onboarding mehrere Ziele: Wir möchten zentrale Informationen zum Studienstart übersichtlich und verständlich bündeln, Orientierung in den Strukturen und Angeboten der FH Aachen ermöglichen und den Zugang zu Beratungs-, Unterstützungs- und Beteiligungsmöglichkeiten erleichtern. Das Angebot soll dazu beitragen, unterschiedliche Informationsstände zu Studienbeginn auszugleichen, wiederkehrende Fragen frühzeitig zu beantworten und Studierende zu einem selbstständigen und aktiven Umgang mit ihrem Studium zu befähigen.

Dabei ist uns eines besonders wichtig: Das digitale Onboarding-Angebot soll keine Konkurrenz zu den bestehenden Einführungsangeboten der Fachbereiche darstellen. Vielmehr möchten wir diese durch ein hochschulweites Basisangebot ergänzen. Informationen, Anlaufstellen und Angebote sollen leichter auffindbar werden. So wollen wir dazu beitragen, Orientierungslosigkeit zu verringern, ohne die fachspezifischen Angebote zu ersetzen.

Ein digitaler Wegweiser durch die ersten Wochen

Die zentrale Startseite „Ankommen im Studium“ ist öffentlich zugänglich. Sie führt in das Angebot ein und verweist auf ein frei zugängliches Selbstlernmodul sowie – nach dem Login – auf weitere Inhalte in ILIAS. Den Link erhalten die Erstsemester u.a. nach der Immatrikulation per E-Mail.

Das Selbstlernmodul bündelt wichtige Informationen rund um den Studienstart. „Dein Weg durch den Studienstart“, „Dein Zugang zur FH“, „Hacks & Tipps“ und „Termine checken“ lauten einige der Überschriften. Sie sollen Studierende bei ihren ersten Schritten an unserer Hochschule begleiten.

Dazu gehören Anleitungen, Links zur FH-Website, Tipps anderer Studierender in Videoform und ein prall gefüllter Kalender mit Semesterterminen sowie Veranstaltungen der Fachschaften und der Studienberatung. Auch Bereiche wie die Bibliothek oder die Beratung zur Studienfinanzierung stellen sich in kurzen Videos vor und erläutern ihr Angebot.

Und wenn noch Fragen offenbleiben?

Wer trotz der gesammelten Informationen noch Fragen hat, findet im Angebot Ansprechpersonen und Unterstützung: Alle Beratungsstellen der Hochschule sind mit Namen und Kontaktdaten verlinkt. Ein FAQ-Bereich greift tatsächliche Fragen von Studierenden aus der Beratung der Zentralen Studienberatung auf und bietet passende Antworten.

Der ILIAS-Kurs enthält teilweise dieselben Inhalte – doppelt hält bekanntlich besser. Darüber hinaus gibt es dort Informationen aus den Fachbereichen sowie Anleitungen für den Einstieg in ILIAS.

Mit einem Quiz zum Realitätscheck „Schule/Studium“ können die Erstis ihre Erwartungen mit dem Studienalltag abgleichen. Dort geht es etwa um Anwesenheiten, Vorlesungen oder Klausuren. Außerdem haben sie die Möglichkeit, sich auf den Seiten ihrer Fachschaften umzuschauen.

Was bisher gut läuft

Die bisherigen Rückmeldungen sind positiv. Besonders hilfreich finden Studierende die Anleitungen und den Terminkalender. Auch die Videos anderer Studierender kommen gut an. Das freut uns besonders, denn die Videos ermöglichen einen realistischen Einblick in den Studienalltag und vermitteln Tipps aus studentischer Perspektive.

Wir ergänzen laufend Inhalte, um das Angebot weiterzuentwickeln und an den Erfahrungen und Bedürfnissen der Studierenden auszurichten. Besonders stolz sind wir dabei auf die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Akteur:innen der FH und die daraus entstandenen Inhalte.

Was wir bei der Entwicklung gelernt haben

Hinter einem digitalen Angebot, das auf den ersten Blick überschaubar wirkt, steckt eine Menge Vorarbeit. Als Projektteam – bestehend aus zwei studentischen Hilfskräften und einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin – haben wir gelernt, dass Vorbereitung und Erstellung in einem ganz anderen Verhältnis stehen, als man zunächst vermuten würde. Unser Eindruck: Etwa 70 % der Arbeit entfallen auf die Vorbereitung, Abstimmung und Konzeption, während rund 30 % auf die eigentliche Erstellung entfallen.

Die Vorarbeit bestand unter anderem darin, die Ergebnisse der DESE-Studie zu sichten und daraus relevante Bedarfe abzuleiten. Wir haben bestehende Inhalte zusammengetragen, Tabellen und Übersichten erstellt, zuständige Bereiche und mögliche Ansprechpersonen recherchiert und Kontakt aufgenommen. Wir haben uns mit anderen Hochschulen ausgetauscht, Workshops geplant und mussten immer wieder nachhaken, wenn uns Inhalte noch fehlten.

Auch die Kommunikation innerhalb der Hochschule war ein wichtiger Teil der Arbeit. Mir persönlich war es als Projektleitung wichtig, allen Akteur:innen deutlich zu machen, dass wir kein Konkurrenzangebot aufbauen möchten. Es geht vielmehr darum, ihre bestehenden Informationen und Angebote zu bündeln und leichter zugänglich zu machen.

Meine bisherigen Erfahrungen mit digitalem Lehren und Lernen sind dabei ebenfalls eingeflossen. Mit dem Thema „Cognitive Load“3 habe ich mich intensiv beschäftigt: Denn möglichst viele Informationen bereitzustellen, ist nicht automatisch hilfreich. Entscheidend ist auch, wie übersichtlich sie aufbereitet sind und wie gut Studierende die für sie relevanten Inhalte finden können.

Eine Herausforderung bleibt: Aktuell laufen noch viele Abstimmungen über mich. Ich bin gewissermaßen das Nadelöhr des Projekts. Wie wir diese Prozesse künftig besser verteilen und Zuständigkeiten breiter verankern können, müssen wir noch herausfinden. Dabei kann es schon helfen, wenn möglichst viele Beteiligte das Angebot mitdenken und uns auf relevante Inhalte, Termine und Ansprechpersonen aufmerksam machen.

Wie geht es weiter?

Für das kommende Semester möchten wir unseren Kalender um weitere Termine und Veranstaltungen der Fachbereiche und Fachschaften ergänzen. Außerdem arbeiten wir an zusätzlichen Erklärvideos mit Studierenden und an kleinen Extras – etwa Kalendern für die einzelnen Fachbereiche, die sich direkt in den privaten Kalender auf dem Smartphone importieren lassen.

Das Angebot soll mit den Bedürfnissen der Studierenden wachsen. Dafür sind wir auf die Unterstützung der Menschen angewiesen, die den Studienstart an der FH Aachen mitgestalten.

Möchten Sie uns bei der Weiterentwicklung des digitalen Onboarding-Angebots unterstützen? Dann freuen wir uns über Ihre Ideen, Veranstaltungshinweise, Inhalte und Anregungen. Melden Sie sich gern bei mir!

Das Wichtigste zum Schluss:
Der Link zu „Ankommen im Studium“


Oder als knackige Kurz-URL zur Weitergabe an Studierende:
fhac.de/ilias/onboard


  1. Anm.: Die Ergebnisse der DESE-Studie werden wir auch demnächst hier im Blog veröffentlichen. Bis dahin sind sie vorerst nur FH-intern zu finden. ↩︎
  2. Vgl. Blogartikel von Peter Schreiber zur Diversität in der Studieneingangsphase ↩︎
  3. Vgl. Skulmowski, A., Xu, K.M. Understanding Cognitive Load in Digital and Online Learning: a New Perspective on Extraneous Cognitive Load. Educ Psychol Rev 34, 171–196 (2022). ↩︎

Neue Beiträge nicht verpassen

Wir versenden wöchentlich News aus dem Blog an die Abonnement-Liste. Wenn Sie möchten können Sie sich in diese Liste eintragen. Das Abo kann jederzeit beendet werden.

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Laura Heine
Wiss. Mitarbeiterin | Beiträge

Studierte Medienwissenschaftlerin (MA) und Digital Learning Managerin. Mitglied des Arbeitsbereichs E-Learning im ZHQ.

Schreibe einen Kommentar