Motivation entsteht durch Wirkung

Wie erreichen wir Studierende auf den unterschiedlichen Ebenen? Was motiviert sie, sich einzubringen? Und wie sorgen wir dafür, dass aus studentischem Engagement auch sichtbare Wirkung entsteht?

Studierende stehen unter Zeitdruck und müssen Studium, Arbeit und private Verpflichtungen miteinander vereinbaren. Sie wägen daher genau ab, wofür sie ihre Zeit einsetzen. Motivation entsteht nicht allein durch die Einladung zur Beteiligung, sondern vor allem dann, wenn Beteiligung als sinnvoll und wirksam erlebt wird.

Das gilt auch für klassische Befragungen: Wer nachvollziehen kann, was aus dem eigenen Feedback entstanden ist, wird eine Evaluation eher als sinnvollen Beitrag und weniger als zusätzliche Pflicht wahrnehmen. Beteiligung und Motivation sind deshalb eng mit der Frage nach ihrer Wirkung verbunden.

Das zeigen auch Erfahrungen anderer Hochschulen. In den vom Wandelwerk der FH Münster vorgestellten Befragungen zählen Spaß, der Kontakt zu anderen Studierenden, die Möglichkeit, anderen zu helfen und tatsächlich etwas verändern zu können, zu den Gründen für studentisches Engagement. Gleichzeitig werden fehlende Zeit, unzureichende Informationen über Beteiligungsmöglichkeiten und eine geringe Verbindung zu hochschulischen Prozessen als Hürden wahrgenommen. Als zentrale Fragen formuliert das Wandelwerk deshalb unter anderem: Wie können Studierende besser über Partizipationsmöglichkeiten informiert werden – und was brauchen sie, um wirksam zu sein und sich wertgeschätzt zu fühlen?

Genau an dieser Frage möchten wir an der FH Aachen weiterarbeiten: In einem geplanten Design-Thinking-Workshop soll gemeinsam mit Studierenden und weiteren Hochschulangehörigen erkundet werden, was Studierende konkret brauchen, damit Beteiligung attraktiv, niedrigschwellig und vor allem wirksam wird. Dabei geht es nicht darum, Beteiligung nur für Studierende zu gestalten, sondern Lösungen mit ihnen gemeinsam zu entwickeln und ihre Perspektiven von Beginn an einzubeziehen.

Darüber hinaus kann studentische Partizipation Möglichkeiten für demokratisches Lernen eröffnen. Studierende übernehmen Verantwortung, bringen unterschiedliche Perspektiven ein und erleben Entscheidungsprozesse unmittelbar. Demokratie wird damit nicht nur theoretisch vermittelt, sondern kann im Hochschulalltag praktisch erfahren werden.

Was wird aus dem Feedback?

Damit stellt sich eine zentrale Frage: Was wird aus dem Feedback – und wie wird sichtbar, was daraus entsteht?

An unserer Hochschule werden die Ergebnisse der Befragungen und Fokusgruppeninterviews auf Studiengangebene ausgewertet und den Fachbereichen in Form von Auswertungsberichten zur Verfügung gestellt. Diese fließen unter anderem in Curriculumswerkstätten ein. Zudem bilden sie eine zentrale Grundlage für die Datenanalyse und verbindliche Maßnahmenplanung in Form der Selbstreporte der Fachbereiche.

In den Selbstreporten der Fachbereiche finden sich zahlreiche Beispiele dafür, wie studentische Rückmeldungen konkrete Entwicklungen angestoßen haben und kontinuierlich anstoßen: Module und Lehrveranstaltungen wurden besser aufeinander abgestimmt, Prüfungs- und Informations-, Betreuungs- und Prüfungsformate weiterentwickelt oder Praxisbezüge gestärkt. Aus Feedback wurde ein Entwicklungsimpuls. Entscheidend ist jedoch, diesen Prozess auch für Studierende nachvollziehbar zu machen.

Künftig soll deshalb stärker kommuniziert werden, welche Entwicklungsimpulse auf Basis von studentischem Feedback entstanden sind. Ein verbindliches Beiblatt des Selbstreports soll hierzu beitragen. Auch in den jüngsten Qualitätsdialogen mit Fachbereichen und Rektorat wurde verstärkt thematisiert, wie Maßnahmen und ihre Ergebnisse an Studierende zurückgemeldet werden können.

Gerade diese Rückmeldungen können dazu beitragen, dass Studierende Beteiligung als wirksam erleben und sich auch künftig einbringen. Studien zur studentischen Beteiligung weisen darauf hin, dass das Erleben von Einfluss und Wirksamkeit die Bereitschaft zu erneuter Beteiligung fördern kann (z.B. Seale, 2010).

So entsteht ein Beteiligungskreislauf:

Feedback einholen → Ergebnisse einordnen → Maßnahmen entwickeln → Veränderungen umsetzen → Ergebnisse und Wirkung zurückmelden → erneut beteiligen

Grafik aus KI generiert

Gemeinsam weiterdenken

Studentische Beteiligung umfasst unterschiedliche Formen – von Feedback über Austausch und gemeinsame Entwicklung bis hin zur strukturellen Mitwirkung. Entscheidend ist nicht allein, Beteiligungsmöglichkeiten anzubieten. Studierende sollten auch erkennen können, was mit ihren Rückmeldungen passiert und wo daraus Veränderungen entstehen.

Die Frage ist deshalb nicht nur, wie mehr Studierende für Befragungen gewonnen werden können. Es geht ebenso darum, eine Kultur zu schaffen, in der Studierende selbst erleben, dass ihre Perspektive einen Unterschied macht.

Wir freuen uns über Erfahrungen, Ideen und Anregungen aus der Hochschule!


Quelle

Seale, J. (2010). Doing student voice work in higher education: An exploration of the value of participatory methods. British Educational Research Journal, 36(6), 995–1015. https://doi.org/10.1080/01411920903342038


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Raffaele Louis
Dr. Raffaele Louis
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Mitarbeiterin Zentrum für Hochschuldidaktik und Qualitätsentwicklung

Imke Minrath

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