Was wir aus Fachbereichsperspektive lernen können

Internationalisierung als gemeinsame Entwicklungsaufgabe

Vor dem Hintergrund zunehmender globaler Verflechtungen gewinnt Internationalisierung auch im Hochschulkontext stetig an Bedeutung. Für die FH Aachen stellt sie keinen nachgeordneten Aspekt mehr dar, sondern ist zu einem zentralen Bestandteil der Weiterentwicklung von Studium und Lehre geworden. Die Herausforderung liegt darin, internationale Perspektiven, Kooperationen und Lerngelegenheiten systematisch zu integrieren, ohne dabei die praxisnahe, anwendungsorientierte Ausrichtung aus dem Blick zu verlieren, die ein zentrales Merkmal der FH darstellt.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor in diesem Prozess ist die differenzierte Betrachtung auf Fachbereichsebene. Fachbereiche unterscheiden sich in ihrer Disziplinstruktur, Studiengangslogik, Studierendenschaft und Ressourcenausstattung – und damit auch in ihren Ausgangsbedingungen und Potenzialen für Internationalisierung. Pauschale Maßnahmen greifen hier zu kurz. Vielmehr bedarf es strategischer Überlegungen, die auf die spezifischen Gegebenheiten einzelner Fachbereiche abgestimmt sind.

Das Framework zur Entwicklung von Studium und Lehre an der FH Aachen bietet hierfür einen geeigneten Rahmen. Es lädt Fachbereiche ein, die übergeordneten Themen Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Internationalisierung nicht nur als institutionelle Strategien zu betrachten, sondern sie konkret im jeweiligen Studiengang zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Die darin enthaltenen Reflexionsfragen fördern den fachlichen Dialog und schaffen Raum für gemeinsame strategische Entwicklung.

Ein Beispiel aus der Praxis ist der Fachbereich Architektur (FB1). Im Rahmen der Framework-Nutzung wurde dort eine intensive Auseinandersetzung mit Fragen der Internationalisierung angestoßen: Welche Lernziele adressieren interkulturelle Kompetenzen? Welche Lehrinhalte bieten internationale Anknüpfungspunkte? Welche Mobilitätsfenster sind realistisch umsetzbar? Und vor allem: Welche Schwerpunkte sind studiengangsrelevant? Die daraus entstandene und durch das INteam begleitete Diskussion führten zur Entwicklung einer ersten fachbereichsspezifischen Internationalisierungsstrategie, die sich derzeit in der Abstimmung befindet. Dieser Prozess zeigt exemplarisch, wie der strukturierte Einsatz des Frameworks zu konkreten strategischen Überlegungen und einer Sensibilisierung im Kollegium beitragen kann.

Die daraus gewonnenen Erkenntnisse bleiben nicht isoliert: Erste Überlegungen und Erfahrungen aus dem FB1 konnten bereits in Gesprächen mit weiteren Fachbereichen aufgegriffen werden. Das Framework fungiert dabei als gemeinsames Bezugssystem, das es erlaubt, strukturiert, vergleichbar und themenübergreifend ins Gespräch zu kommen: Welche Formate existieren bereits? Welche internationalen Kooperationen lassen sich ausbauen? Wie kann interkulturelles Lernen curricular verankert werden?

Diese internen Transferprozesse sind ein wichtiger Bestandteil der strategischen Entwicklung. Sie fördern nicht nur die Vernetzung zwischen Fachbereichen, sondern ermöglichen auch eine institutionelle Lernkultur, die auf kontinuierlichen Austausch und kollegiale Weiterentwicklung setzt. Die systematische Begleitung dieses Prozesses wird dabei durch das INteam des ZHQ  unterstützt. Das Team begleitet die Fachbereiche bei der Ausarbeitung ihrer Internationalisierungsstrategien, bietet strukturierende Impulse, moderiert Reflexionsphasen und sorgt für einen aktiven Wissenstransfer innerhalb der Hochschule. So entsteht ein lernendes System, in dem Strategien nicht isoliert entwickelt, sondern gemeinsam weitergedacht und kontinuierlich angepasst werden.

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass Internationalisierung an der FH Aachen zunehmend als kooperativer und prozessorientierter Entwicklungspfad verstanden wird. Sie vollzieht sich nicht allein über zentrale Maßnahmen, sondern entfaltet ihre Wirksamkeit insbesondere dort, wo Fachbereiche ihre fachlichen Profile reflektieren, eigene Schwerpunkte setzen und konkrete Maßnahmen entwickeln. Der damit verbundene Dialog – innerhalb von Fachbereichen ebenso wie hochschulweit – stärkt die strategische Anschlussfähigkeit und bietet eine fundierte Grundlage, um Internationalisierung systematisch und nachhaltig zu gestalten.

Fazit

Fachbereichsspezifische Strategien zur Internationalisierung sind ein wesentlicher Baustein einer zukunftsorientierten Hochschulentwicklung. Sie ermöglichen es, globale Herausforderungen und Chancen kontextbezogen in der Lehre aufzugreifen und Studierende gezielt auf ein internationales Berufsfeld vorzubereiten. Im Zusammenspiel mit strukturellen Reflexionsinstrumenten wie dem Framework entsteht ein wertvoller Prozess, der sowohl zur Profilbildung einzelner Fachbereiche als auch zur Weiterentwicklung der Gesamtinstitution beitragen kann. Das INteam des ZHQ übernimmt hierbei eine zentrale Rolle in der konzeptionellen Unterstützung und im Wissenstransfer – als Brücke zwischen Erfahrungen, Bedarfen und konkreter Umsetzungspraxis.

Neue Beiträge nicht verpassen

Wir versenden wöchentlich News aus dem Blog an die Abonnement-Liste. Wenn Sie möchten können Sie sich in diese Liste eintragen. Das Abo kann jederzeit beendet werden.

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Peter Schreiber
Beiträge

Kompetenzentwicklung für Studierende | Teaching Analysis Polls

Schreibe einen Kommentar