Das wenig romantische Rückenbild zeigt einen Beobachter, der sich selbst beim Beobachten beobachtet. Sein Blick bleibt auf die eigene Perspektive beschränkt – und auch wir als Betrachtende bleiben „blind“, weil uns der Spiegel jede Reaktion auf die Außenwelt vorenthält. So entsteht das Bild eines endlosen, monotonen Kreislaufs: keine neue Perspektive, kein sichtbarer Fortschritt, nur die Reproduktion des immer Gleichen.
Die mitunter ernüchternde Feststellung Qualitätsmanagement sei ein kontinuierlicher und niemals endender Prozess, lässt sich wohl kaum entkräften: Auf einen QM-Zyklus folgt der nächste. Der entscheidende Unterschied ist jedoch, dass dabei immer wieder neue Menschen in neuen Konstellationen zusammenkommen. Es geht nicht um Selbstbespiegelung, sondern darum, den eigenen Blick zu öffnen und zu erweitern.
Einbezug Studierender in das QM-System
Wenn es um die Rolle von Studierenden in der Weiterentwicklung von Studiengängen geht, denken viele zunächst an Fragebogen: Zu festgelegten Zeitpunkten im Studium wird Feedback eingeholt, ausgewertet und – hoffentlich – für die weitere Arbeit genutzt. Beteiligung bleibt dabei häufig auf die Rolle der Feedbackgebenden beschränkt.
Doch studentische Partizipation kann viel mehr sein als das Ausfüllen eines Fragebogens. Sie beginnt dort, wo aus Feedback Dialog entsteht, gemeinsam Lösungen entwickelt werden und daraus sichtbare Veränderungen hervorgehen.
Warum aber sollten Studierende aktiv an der Gestaltung von Studiengängen beteiligt werden? Schließlich kennen sie zunächst nur ihren eigenen Studienverlauf und gerade in frühen Semestern fehlt häufig der Blick auf die langfristige Entwicklung eines Studiengangs, Anforderungen der Berufspraxis oder das zugrunde liegende Kompetenzprofil. Nicht jede Rückmeldung ist daher ein Qualitätsbefund; individuelle Erfahrungen können einander widersprechen und kurzfristige Interessen mit langfristigen Entwicklungszielen kollidieren.
Gleichzeitig erleben Studierende die Studienbedingungen unmittelbar. Sie erfahren, ob Module sinnvoll ineinandergreifen, wo Brüche entstehen, ob Informationen verständlich sind und ob das, was auf dem Papier schlüssig aussieht, auch in der Studienrealität funktioniert – oder eben nicht.
Studentische Perspektiven ersetzen daher nicht die fachliche und institutionelle Verantwortung für die Studiengangentwicklung. Sie ergänzen sie um einen Blickwinkel, den andere Beteiligte so nicht einnehmen können.

Grafik aus KI generiert
Von der Rückmeldung zur Mitgestaltung
Fragebogen haben ihren festen Platz. Sie ermöglichen es, viele Studierende zu erreichen und Erfahrungen systematisch zu erfassen. Gleichzeitig stoßen standardisierte Befragungen an Grenzen: Sie zeigen häufig, dass etwas gut oder weniger gut funktioniert, aber nicht immer, warum das so ist oder welche Lösungen Studierende selbst vorschlagen würden.
Deshalb braucht es unterschiedliche Formen der Beteiligung. – An unserer Hochschule gibt es dafür zahlreiche Möglichkeiten und Grade. Sie reichen von der Rückmeldung über dialogische Verfahren bis hin zur aktiven Mitwirkung an Entwicklungs- und Entscheidungsprozessen.
| Ebene | Beispiele und Formate |
| Rückmeldung geben | Fragebogen zu Studiengängen und Lehrveranstaltungen sowie andere standardisierte Feedbackinstrumente ermöglichen es, Erfahrungen systematisch zu erfassen und sichtbar zu machen. |
| Dialog und Reflexion | Durch prozessuale Einbettung, Diskussion und Reflexion der Ergebnisse ist gelungener Dialog auch im Anschluss an die Befragungen mit Fragebogen vorgesehen. Fokusgruppen auf Studiengangsebene und Teaching Analysis Polls (TAPs) auf Lehrveranstaltungsebene schaffen Raum, Erfahrungen, Wahrnehmungen und Verbesserungsideen gemeinsam zu diskutieren Auch Gespräche mit externen Gutachtenden im Rahmen der internen Akkreditierung ermöglichen Studierenden, ihre Perspektiven unmittelbar einzubringen. |
| Gemeinsame Entwicklung | In Frameworkshops und Curriculumswerkstätten können Studierende an der Reflexion und Entwicklung von Konzepten, Strukturen und Zielen beteiligt werden. |
| Institutionalisierte Mitwirkung | Studienbeiräte, Fachschaften, Studierendenparlament und AStA bündeln studentische Interessen und bringen sie in Gremien und Kommissionen auf Studiengangs-, Fachbereichs- und Hochschulebene ein. Studentische Prodekan:innen nehmen als Dekanatsmitglieder dabei eine besondere Rolle an der Schnittstelle zwischen studentischer Perspektive und Hochschulorganisation ein. |
Daneben entstehen vielerorts niedrigschwellige Formen der Beteiligung direkt in der Lehre, wenn Lehrende Studierende unmittelbar in die Reflexion und Weiterentwicklung von Lehrveranstaltungen und Studienangeboten einbeziehen.
Die Systemreakkreditierung als Anlass für eine gemeinsame Diskussion
Die Frage, wie studentische Beteilung bei uns konkret gestaltet ist, wie sie gelebt wird und wo sie noch gestärkt werden kann, stellt sich derzeit auch ganz konkret im Rahmen der Systemreakkreditierung. Im Lenkungskreis zur Systemreakkreditierung wurde zum Einbezug Studierender in das QM-System eine Arbeitsgruppe eingerichtet, zu der auch eine Vertretung aus dem AStA gehört.
Die Herausforderung besteht dabei nicht allein darin, neue Beteiligungsmöglichkeiten zu schaffen. Ebenso geht es darum, bestehende Strukturen sichtbarer zu machen, stärker zu verknüpfen und je nach Bedarf auch gezielt weiterzuentwickeln. Zugleich wird dabei auch auf andere Hochschulen geschaut: Wie werden Studierende dort in die Studiengangentwicklung einbezogen? Welche Konzepte und Rollen haben sich bewährt?
Die für 2027 vorgesehenen Novellierung der European Standards and Guidelines (ESG) für die Qualitätssicherung im europäischen Hochschulraum zeichnet hier auch eine klare Linie vor. Die aktive Beteiligung von Studierenden an der Qualitätssicherung und -entwicklung von Studium und Lehre soll weiter an Bedeutung gewinnen. Dahinter steht ein Verständnis von Hochschule als gemeinschaftlich verantworteter Institution und von Partizipation als Grundprinzip dieser Gemeinschaft.
Studentische Beteiligung reicht von Feedback über Austausch und gemeinsame Entwicklung bis hin zur strukturellen Mitwirkung. Denn gute Studiengänge entstehen im Austausch – und idealerweise gemeinsam mit denen, die sie studieren. Die unterschiedlichen Perspektiven helfen dabei, den Blick zu erweitern.