Wie kann Hochschullehre Studierende dazu befähigen, gesellschaftliche Transformation aktiv mitzugestalten?
Diese Frage steht im Zentrum vieler Diskussionen über Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und die zukünftige Rolle von Hochschulen. So auch auf dem „Teaching symposium: Living and learning transformation – Yes! But how?“ zu Beginn des Jahres auf Schloss Hohenheim (siehe Beitragsbild).
Ein spannendes Beispiel dafür liefert das TREE-Projekt an der Universität Hohenheim, das zwei Jahre lang neue Lehrformate zum Thema Transformation im Agri-Food-System entwickelt und erprobt hat. Die Ergebnisse geben wertvolle Einblicke für Lehrende, die ihre Lehre stärker auf gesellschaftliche Herausforderungen ausrichten möchten.
Was bedeutet „transformative Lehre“?
Im TREE-Projekt wird transformative Lehre als ein Ansatz verstanden, der über die reine Vermittlung von Fachwissen hinausgeht. Ziel ist es, Studierende zu befähigen,
- kritisch zu denken,
- eigene Perspektiven zu reflektieren,
- komplexe Systeme zu verstehen
- und selbst aktiv an gesellschaftlichen Veränderungsprozessen mitzuwirken.
Damit verbindet transformative Lehre fachliches Lernen mit persönlicher Entwicklung und gesellschaftlicher Verantwortung. Sie schafft Räume, in denen Studierende Nachhaltigkeitskompetenzen entwickeln und lernen, Transformation aktiv mitzugestalten.
Neue Lernformate für Transformation
Im Rahmen des Projekts wurden zwei innovative Module entwickelt
| Exploring Regional Transformation Through Utopia | Enacting Local Transformation in the Agri-Food System |
| Das ist ein englischsprachiges Blockmodul mit Exkursionen und gemeinschaftsorientierten Lernformaten. Zentrale Elemente sind: Exkursionen und Lernorte außerhalb des Hörsaals Reflexion realer Transformationsprojekte Austausch persönlicher Erfahrungen in der Gruppe Studierende setzten sich dabei mit der Frage auseinander, wie nachhaltige Zukunftsvisionen konkret umgesetzt werden können. Link zur Projektseite | Dieses Modul begleitet ein Semester lang Projekte zur regionalen Transformation von Ernährungssystemen. Didaktische Elemente: > Reflexionsjournale > Peer-Feedback > Projektarbeit > Präsentationen und Berichte Durch die kontinuierliche Reflexion ihres Lernprozesses entwickeln Studierende ein tieferes Verständnis für komplexe Transformationsprozesse. Link zur Projektseite |
Lernen sichtbar machen: Evaluation durch Lerntagebücher
Ein zentraler Bestandteil des Projekts war eine begleitende Bildungsforschung.
Untersucht wurden die Lernprozesse der Studierenden anhand von:
- Reflexionsjournalen
- qualitativer Inhaltsanalyse
- etwa 200 Seiten studentischer Lernreflexionen
Ziel der Evaluation war es zu verstehen, inwieweit die Lehrformate tatsächlich transformative Lernprozesse und Nachhaltigkeitskompetenzen fördern.
Was wir aus zwei Jahren transformativer Lehre lernen können
Die Erfahrungen aus dem Projekt zeigen mehrere wichtige Erfolgsfaktoren:
- Vertrauen zwischen Lehrenden und Studierenden ist entscheidend. Neue Lehrformate funktionieren nur, wenn eine vertrauensvolle Lernumgebung entsteht.
- Innovative Prüfungsformen brauchen klare Kriterien: Reflexionsjournale oder kreative Prüfungsleistungen erfordern transparente Bewertungsmaßstäbe.
- Lehrende werden stärker zu Lernbegleiter:innen: In transformativen Lehrformaten verschiebt sich die Rolle der Lehrenden von Wissensvermittler:innen hin zu Lernbegleiter:innen.
- Transformation braucht Raum: Interaktive und projektorientierte Lehrformate benötigen flexible Lernräume – sowohl physisch als auch organisatorisch.
- Transformation braucht institutionelle Unterstützung: Transformative Lehre wird an Hochschulen häufig noch zu wenig anerkannt. Für nachhaltige Veränderungen braucht es institutionelle Wertschätzung und strukturelle Unterstützung.
Was bedeutet das für die Hochschullehre?
Transformative Lehransätze zeigen, dass Hochschullehre eine wichtige Rolle dabei spielen kann, Studierende auf gesellschaftliche Herausforderungen vorzubereiten.
Dazu gehört:
- die Förderung systemischen Denkens
- die Verbindung von Theorie und Praxis
- interdisziplinäre Zusammenarbeit
- Räume für Reflexion und kritisches Denken
Diese Aspekte sind auch zentrale Bausteine einer Bildung für nachhaltige Entwicklung, die Studierende dazu befähigt, Verantwortung für gesellschaftliche Transformation zu übernehmen.
Impulse für Lehrende
Die Erfahrungen aus dem TREE-Projekt zeigen, dass transformative Lehrformate besonders dann erfolgreich sind, wenn sie
- projektorientiertes Lernen ermöglichen
- persönliche Reflexion fördern
- reale gesellschaftliche Herausforderungen einbeziehen
- und Lernräume für Austausch schaffen.
Viele dieser Elemente lassen sich auch in anderen Studiengängen oder Lehrveranstaltungen adaptieren. Transformative Lehrformate wie im TREE-Projekt können dabei konkrete Inspiration für die Weiterentwicklung von Studiengängen hier auch an der FH Aachen liefern.
Quelle: „Insights from Two Years of Transformative Learning at the University of Hohenheim“
TREE Teaching Symposium, 2026
