KI-Nutzung in Abschlussarbeiten sichtbar machen

Validierung statt Verdacht

Das 6-Bausteine-Template verschiebt den Fokus weg von Detektion hin zu Validierung. Wo macht KI Fehler und welche Arbeits- und Prüfstrategien brauchen Studierende?

In meiner kleinen Reihe im ZHQ-Blog zu KI und Abschlussarbeiten ging es zuletzt unter anderem um Eigenständigkeit, um Betreuung statt reines Bewerten und um angepasste Prüfungsformate.
Dieser Beitrag setzt die Reihe mit einem sehr konkreten Baustein aus der Praxis fort: Dokumentation und Reflexion der KI-Nutzung, so strukturiert, dass sie in Betreuung und Kolloquium einfach aber effektiv verwendbar ist.

Problem: Prüfen im KI-Zeitalter – Detektion bringt wenig

KI-Detektoren klingen verlockend, sind aber als Grundlage für Entscheidungen hochriskant. KI-Detektoren wie Turnitin beschreiben selbst, dass die KI-Erkennung nicht immer korrekt ist und nicht als alleinige Basis für nachteilige Maßnahmen genutzt werden soll (mal abgesehen von der unklaren Rechtlage dieses Vorgehens).
Für mich folgt daraus, dass wenn wir Prüfen im KI-Zeitalter ernst nehmen wollen, brauchen wir mehr Transparenz über den Arbeitsprozess einer Abschlussarbeit (oder auch einer kleineren Prüfung im Curriculum).

Bestehende Ansätze

Für diese Transparenz gibt es gute Vorarbeiten. Die Universität Graz zeigt konkrete Möglichkeiten zur Dokumentation und Reflexion und nutzt dafür beispielsweise eine Tabelle. Die Universität Basel betont die wissenschaftliche Integrität beim Übernehmen oder Paraphrasieren von KI-Inhalten und gibt Orientierung zur Dokumentation. Die University of Cambridge arbeitet mit einer Deklaration, die Tool/Version, Prompt, Zweck und Umgang mit Output abfragt.
Ich fand das alles hilfreich und habe es dann für unsere Art Abschlussarbeiten zu begleiten umgebaut und ausprobiert.

Template: KI-Nutzung entlang der Thesis

Wo im wissenschaftlichen Prozess hat KI eine Rolle gespielt – und welche Rolle war das?

Ein Template zur Reflexion aus den oben genannten Quellen habe ich dabei neu strukturiert, so dass es mit unseren typischen Abschlussarbeiten fittet.

Die Dokumentation ist jetzt in typische Schritte einer Bachelorarbeit übersetzt, als 6 Bausteine, die leicht auszufüllen sind und als Betreuer:in auch schnell zu überblicken sind:

  1. Thema & Forschungsfrage
  2. Literatur & Stand der Forschung
  3. Methodik / Design
  4. Analyse / Ergebnisse
  5. Diskussion / Schlussfolgerungen
  6. Schreiben / Überarbeiten

Eigenanteil

Studierende sollen nicht nur „KI genutzt“ ankreuzen, sondern kurz festhalten, welche Entscheidungen sie selbst getroffen haben. Zu überlegen sind: Was wurde verworfen, was geprüft, was umformuliert und warum?

Datenschutz

Welche Materialien sind in KI-Tools gelangt? Zum Beispiel Skripte, Daten, Interviewauszüge…

Reflexion muss angstfrei sein!

Damit Reflexion angenommen wird, muss sie von Anfang an als Lern- und Betreuungsinstrument gerahmt werden, nicht als „zusätzliche Angriffsfläche“ in der Bewertung. Dass Benotung die Ehrlichkeit reflexiver Texte beeinflussen kann, wird in der Forschung zu reflektiven Arbeiten ausdrücklich diskutiert.
An der Universität  Hohenheim wird beispielsweise eine KI-Deklaration als Transparenzinstrument beschrieben, das Studierenden vor allem Sicherheit geben soll, dass Arbeiten nicht nachträglich „gegen andere Normen“ neu bewertet werden.

Mein Praxisfall und was im ausgefüllten Template sichtbar wurde

Ich habe das Template in einer Bachelorarbeit eingesetzt, die einen KI-Tutor entwickelt und evaluiert. Der Studierende hat also nicht nur über KI geschrieben, sondern im Forschungs- und Schreibprozess auch mit KI gearbeitet. Auch im ausgefüllten Template wurde sehr klar, dass die KI-Nutzung sich durch fast alle Arbeitsschritte zog.

Der Studierende hat mehrfach dokumentiert, wo KI danebenlag, was er verworfen und wie er Ergebnisse überprüft hat oder künftig damit umgehen möchte. Dadurch wurde auch noch mehr Eigenleistung nachvollziehbar und sichtbar.

Man merkt schnell, wo KI besonders fehleranfällig ist (zum Beispiel bei Zahlen, Interpretation, zu weit gehenden Schlussfolgerungen) und wo Studierende eigene Prüfstrategien benötigen. Das ist für mich ein Feedbacksignal, was wir in der Lehre stärker thematisieren sollten.

Was das fürs Kolloquium und die Lehre bringt

Im Kolloquium wurde das Gespräch durch das Template konkreter. Statt indirekt über Stil oder Verdacht zu sprechen, kann man gezielt und offen über Methodik, Validierung, Entscheidungen und eigene Grenzen (und die der KI) diskutieren.


Unterstützendes Material


Das Übersichtsbild „Mit KI gemacht?“ beschreibt wie unterschiedlich eine Mensch-KI-Kollaboration aussehen kann und hilft bei der Einordnung der Zusammenarbeit und für die Nutzung des Template.

Bildquelle: Dr. Sven Lüder | ki-lehren.de

Das Template für Abschlussarbeiten finden Sie im Folgenden zum Download:

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Christoph Horst
Beiträge

> Koordination Digitalisierungsoffensive Lehren & Lernen der FH Aachen
> Fachlehrender im Fachbereich Chemie und Biotechnologie

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