Was die geförderten Projekte des LehrInnovationsImpuls 2025 verbindet
Wenn wir von Präsenzhochschule 2.0 sprechen, geht es nicht um „mehr digital“ oder „mehr vor Ort“, sondern um ein Lehrdesign, in dem Präsenzzeit wieder das wird, was sie am besten kann: gemeinsames Denken, Anwenden, Experimentieren, Diskutieren, getragen von digitalen Lernräumen.
Genau diese Logik war der rote Faden des LehrInnovationsImpuls 2025. Einer internen Ausschreibung der FH Aachen, die Lehrende dazu eingeladen hat, Projekte entlang der drei strategischen Schwerpunkte Digitalisierung, Nachhaltigkeit sowie Internationalisierung & Diversität zu entwickeln.
Die Wirkung dieser Lehrinnovationen denkt das SoTL-Konzept (Scholarship of Teaching and Learning) mit, damit diese nicht nur umgesetzt, sondern auch systematisch reflektiert werden und übertragbar sind.
Die Resonanz war groß, 15 Anträge wurden eingereicht, sechs Projekte zur Vorstellung eingeladen und am Ende fünf Vorhaben mit einem Gesamtvolumen von knapp 100.000 Euro gefördert.
Aktivierende Präsenz, klare Lernwege, Transferpotenzial
Die fünf geförderten Projekte zeigen in ihrer Unterschiedlichkeit eine gemeinsame Richtung: Lehrformate werden so gestaltet, dass Studierende in der Präsenz aktiv handeln (im Team, im Projekt, im eigenen Lernprozess) und digitale Elemente diese Aktivität sinnvoll stützen.
- „Bridging Science and Society“ (Prof. Dr. Basak Canboy / Prof. Dr. Christina Feldmann) verbindet Medizintechnik und Wirtschaftswissenschaften in interdisziplinären Projektteams: Studierende bearbeiten reale Fragestellungen rund um medizintechnische Produkte, beziehen Perspektiven aus Gesellschaft und Praxis ein und orientieren sich an Nachhaltigkeitszielen. Digitale Tools (inkl. KI-gestützter Recherche und Kollaboration) unterstützen dabei die Zusammenarbeit und die Aufbereitung der Ergebnisse.
- „MatheStart“ (Dr. Britta Foltz) setzt in der Studieneingangsphase an: interaktive Jupyter-Notebooks im Flipped-Classroom-Format und ein KI-Lerntutor unterstützen heterogene Kohorten beim Aufbau tragfähiger Mathe-Grundlagen mit Fokus auf Verständnis, nicht nur auf „richtige Ergebnisse“.
- „SCORA – Smart Course Assistant“ (Prof. Dr. Andreas Hannig) adressiert die Lehrentwicklung direkt: Lehrende sollen mit einer KI-gestützten Webanwendung aus vorhandenen Materialien Mikromodule entwickeln können, um Lernwege kleinteiliger, adaptiver und leichter aktualisierbar zu gestalten.
- „Nachhaltige Data Literacy / Digitale Analytik“ (Prof. Dr. Yulia Monakhova) baut datenbezogene Kompetenzen in der Chemie auf, von Programmiergrundlagen bis zu ersten maschinellen Lernverfahren und stärkt damit eine Kernfähigkeit, die in vielen MINT-Fächern zunehmend zur „neuen Basiskompetenz“ wird.
- „Mindset Matters“ (Prof. Dr. tech. Ansgar Kirsch / Prof. rer. pol. Sarah Maihaus) setzt evidenzbasierte Interventionen zu Sozialer Zugehörigkeit und „Growth Mindset“ (Wachstumsdenken) ein, um Studienerfolg in heterogenen Studierendengruppen zu unterstützen. Ein Beispiel dafür, wie Diversität nicht als Zusatz, sondern als didaktischer Ausgangspunkt gedacht werden kann.
KI als Querschnittsthema: 9 von 15 Anträgen – von Tutor bis Labor-Coach
Besonders sichtbar ist die hochschulstrategische Dimension Digitalisierung, konkretisiert über das Thema Künstliche Intelligenz in der Lehre: Neun der 15 eingereichten Projekte adressieren KI (unterschiedlich) explizit. Spannend ist dabei weniger „ob KI“, sondern welche Rolle KI jeweils übernimmt:
- als Lerntutor (z. B. in der Studieneingangsphase),
- als Autorentool für Lehrende (Mikromodule, strukturierte Lernpfade),
- als Kompetenzziel (Data Literacy, maschinelles Lernen),
- als Unterstützung in kollaborativen Projektsettings (Recherche, Aufbereitung, Reflexion).
Neben den geförderten Projekten gab es weitere KI-orientierte Einreichungen, die die Bandbreite sehr gut zeigen: „NUKI – Nuclear Knowledge Interface“, „AI Student Dashboards“, „KI in der Architektur“, „AIXflex“ und „KI-Kommilitone ab dem ersten Semester“ reichen von KI-gestützten Dashboards und Learning Analytics über KI-Workflows im Entwurf bis hin zu kursnaher Lernassistenz und curricularen Neuentwürfen unter KI-Bedingungen.
Diese Vielfalt ist ein starkes Signal: KI wird an der FH Aachen nicht als einzelnes Tool verstanden, sondern als didaktische Gestaltungsfrage – je nach Fachkultur, Lehrformat und Zielgruppe.
Nachhaltigkeit und Internationalisierung: wirksam durch konkrete Lehrsituationen
Auch Nachhaltigkeit und Internationalisierung & Diversität tauchen nicht nur als Schlagworte auf, sondern werden in Lehrsituationen übersetzt: etwa über SDG-orientierte Projektarbeit, über den Aufbau zukunftsrelevanter Datenkompetenzen oder über Interventionen, die soziale Zugehörigkeit und Selbstwirksamkeit in diversen Kohorten stärken. Gleichzeitig zeigen Einreichungen wie „MillBio4Sea – Millport Biotechnology for a Sustainable Sea“ oder der „Energy-Tower“, wie stark das Potenzial ist, Campus, Auslandserfahrung und Forschungskontexte als Lernräume systematisch zu nutzen.
Und was passiert mit den nicht geförderten Ideen?
Nicht-Förderung bedeutet nicht „Ende der Idee“. Durch die Zusammenarbeit mit dem ZHQ greifen wir viele Ansätze aus den Einreichungen gezielt auf. Entweder, um sie für eine mögliche Ausschreibung 2026 weiterzuentwickeln, oder um Teilziele bereits mit Bordmitteln anzustoßen (z. B. kleinere Pilotierungen, Evaluationsdesigns, didaktische Schärfung, Transferformate). So bleibt der LehrInnovationsImpuls nicht nur ein Fördertopf, sondern ein Entwicklungsprozess, der gute Ideen aufgreift und hochschulweit sichtbar macht.
Hands on KI am 05.03.2026: Beim haixathon Ihren ersten Prototyp entwickeln
Hands-on-Workshop im „Hackathon“-Format:
An nur einem Tag entwickeln Sie – begleitet und praxisnah – einen konkreten KI-Baustein für Ihren Arbeits- oder Lehrkontext. Statt langer Vorträge stehen kurze Inputs, viel Werkstattzeit und direkter Support im Mittelpunkt. Ziel ist, dass Sie nicht mit Ideen nach Hause gehen, sondern mit etwas, das Sie tatsächlich einsetzen und weiterentwickeln können.
Was kann dabei entstehen? Zum Beispiel ein KI-gestützter Arbeitsauftrag oder ein Lehr-/Lernszenario, eine Prüfungs- oder Feedback-Idee mit klaren Regeln, ein Prompt- und Material-Set für Studierende, eine kurze Guideline/Policy für Ihre Veranstaltung oder ein kleiner Workflow, der spürbar Zeit spart.
Was nehmen Sie mit? Einen klaren Plan (Ziel, Einsatzszenario, nächste Schritte) und einen ersten Prototyp – plus Orientierung für einen sinnvollen und verantwortungsvollen KI-Einsatz. Sie arbeiten dabei nicht allein: Es gibt Sparring, Feedback und Austausch sowie Unterstützung beim Priorisieren und Umsetzen durch das aixpertise-Team.
Mehr Infos & Anmeldung: https://www.ili.fh-aachen.de/ilias.php?baseClass=ilrepositorygui&ref_id=1499931

Christoph Horst
> Koordination Digitalisierungsoffensive Lehren & Lernen der FH Aachen
> Fachlehrender im Fachbereich Chemie und Biotechnologie