Civic Engagement neu gedacht: Was Hochschulen von der Poliklinik Veddel und London Met lernen können

Ein Bericht vom CMC Festival Hamburg und ein Blick auf bestehende Potenziale an der FH Aachen

Was wäre, wenn Hochschulen nicht nur Wissen vermitteln, sondern aktiv gesellschaftliche Herausforderungen vor Ort angehen – gemeinsam mit den Menschen, die davon betroffen sind?
Diese Frage hat mich beim Besuch des CMC Festivals in Hamburg beschäftigt, das unter dem Motto „Campus meets Community“ Beispiele für kreativen Wandel im Bildungsbereich präsentierte. Besonders beeindruckt haben mich zwei Initiativen: die Poliklinik auf der Veddel in Hamburg und das Civic-Engagement-Programm der London Metropolitan University.

Gesundheit gemeinsam gestalten:
Die Poliklinik auf der Veddel

In einem strukturschwachen Hamburger Stadtteil arbeitet die Poliklinik Veddel daran, Gesundheit nicht nur zu behandeln, sondern strukturell zu ermöglichen.

Hier trifft medizinische Versorgung auf Sozialarbeit, politische Bildung und partizipative Forschung. Bewohner:innen des Viertels werden als Mitgestaltende eingebunden, z. B. im Rahmen des „Community Health Surveys“, bei dem über ein Viertel aller Haushalte partizipierten.

Zentraler Partner ist die HAW Hamburg, die das Konzept im „Community Health Labor Veddel“ wissenschaftlich begleitet. Dabei entstehen:

  • neue Modelle der versorgungsnahen, partizipativen Forschung,
  • innovative Lehr- und Lernformate für Gesundheitsberufe,
  • Impulse für ein gesundheitsförderliches Quartiersmanagement mit zivilgesellschaftlicher Beteiligung.

Das Community Health Labor ist dabei nicht nur Praxisort, sondern auch Lernraum für Studierende und Forschende – etwa in Public Health, Pflege, Sozialer Arbeit oder Stadtplanung.

Diese enge Verzahnung von Hochschule, Forschung, Stadtteil und Zivilgesellschaft zeigt eindrücklich, wie gesundheitsbezogene Bildung gesellschaftlich wirksam sein kann – und wie Curricula konkret mit Lebenswelt verknüpft werden können.

Civic University im Vollformat:
Die London Metropolitan University

Die London Met versteht sich als „Civic University“ – eine Hochschule, die sich zur Aufgabe gemacht hat, mit ihrer Stadt, nicht nur in ihrer Stadt zu arbeiten.

Im Programm London Met Lab entwickeln Studierende gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Partner:innen konkrete Lösungen: für soziale Gerechtigkeit, Gesundheit, Klimaschutz. Die Universität betreibt u. a. pro bono Clinics und nutzt partizipative Theaterformate, um marginalisierte Stimmen sichtbar zu machen.

Bemerkenswert ist: Dieses Engagement ist nicht nur ein Projekt, sondern Teil der Strategie – verankert in einem Civic Statement, unterstützt von einem eigenen Team und verknüpft mit Forschung, Lehre und Governance.

Und an der FH Aachen?
Erste Ansätze sind da – Zeit für den nächsten Schritt

Auch bei uns gibt es ermutigende Beispiele für gesellschaftlich engagierte Hochschule:

  • Prof. Dr. Isabel Finkenberger bringt seit Jahren zivilgesellschaftliche Perspektiven in Lehre und Forschung ein – u. a. mit Blick auf demokratische Teilhabe und lokale Bildungsarbeit, z. B. an der TU Hambach.
  • Prof. Dr. Anke Fissabre ist Mit-Initiatorin des Projekts Wärm Komp, das Thermalwasserquellen in Burtscheid wieder zugänglich machen will. Ziel ist es, Orte der Erholung und Gesundheitsförderung im öffentlichen Raum zu schaffen – in Zusammenarbeit mit Bürger:innen, Stadtverwaltung und Initiativen. (waermkomp.jetzt)
Grafik von der Seite waermkomp.jetzt

Diese Projekte zeigen: Engagement ist an der FH Aachen bereits vorhanden – aber es gibt viel Potenzial, dies strategischer und sichtbarer zu verankern.

Fazit:
Engagierte Hochschule ist kein Add-on – sie ist Zukunft

Die Beispiele aus Hamburg und London zeigen eindrucksvoll:
Civic Engagement bedeutet nicht „mehr Arbeit“, sondern mehr Relevanz, mehr Wirkung und oft auch: mehr Motivation für alle Beteiligten.

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um unsere bestehenden Initiativen sichtbarer zu machen, neue Formate zu erproben und im Sinne des Frameworks weiterzuentwickeln. Wenn auch Sie ähnliche Initiativen kennen oder Interesse haben, in Zukunft daran teilzuhaben, melden Sie sich gerne bei uns! 

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Miriam Barnat
Prof. Dr. rer. pol. Miriam Barnat
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