Wissen beginnt (…) mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der ‘Ent-täuschung’.
Erich Fromm
Transformatives Lernen ist ein didaktischer Ansatz, der vor allem mit Mezirow verbunden wird (Mezirow 1997, 2000; Balsiger et al. 2017). Im Mittelpunkt steht die kritische Auseinandersetzung mit den eigenen Denk- und Deutungsmustern. Lernende reflektieren ihre bisherigen Annahmen und Gewohnheiten und entwickeln neue Perspektiven auf sich selbst, auf gesellschaftliche Zusammenhänge und auf konkrete Probleme.
Das Besondere am transformativen Lernen ist damit, dass es über die Vermittlung von Wissen und Fähigkeiten hinausgeht: Es zielt auf eine Veränderung der Perspektiven, aus denen heraus Menschen Situationen wahrnehmen, beurteilen und gestalten. Ein anschauliches Beispiel dafür ist das aktuelle Lehrprojekt von Martin Pieper: Link zum Artikel über sustainCreate.
Transformatives Lernen stand auch im Mittelpunkt des ersten Symposium „shift!“, zu dem die TH Köln und die FH Aachen an den Innovationsstandort eingeladen hatten. Der außergewöhnliche Lernort befindet sich auf einer rund 80 Meter hohen und 25 Hektar großen ehemaligen Deponie im Bergischen Land. Heute ist unter anderem ein Forschungs- und Bildungsstandort der TH Köln und ein Lernort für Ressourcenmanagement, Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Entwicklung.
shift! am Metabolon: 9 Millionen Kubikmeter Müll als Nährboden für neue Konzepte und kreative Visionen!
Veit Wascholowski, FB 3
shift! ist ein neues Format für den hochschulübergreifenden Austausch über Lehrentwicklung. Es knüpft an die bisherigen Treffen zwischen der TH Köln und der FH Aachen an und soll die gemeinsame Auseinandersetzung mit innovativer Hochschullehre weiter vertiefen.
Wir konnten das Metabolon, ein vorbildliches Reallabor, besichtigen. Es ist ein soziotechnisches System, in dem Lernen vom Kindergarten und der Grundschule über das Studium im Bachelor- und Masterbereich bis hin zur Forschung im Rahmen von Doktorarbeiten ermöglicht wird.
Tim Höhne, FB 7
Rund 50 Lehrende und Mitarbeitende der hochschuldidaktischen Einrichtungen ZfL und ZHQ folgten der Einladung der TH Köln – darunter etwa 20 Teilnehmende der FH Aachen.
Worum ging es bei shift!
Die Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen erfordert auch eine kritische Reflexion der Hochschulbildung: Wie können Absolvent auf eine berufliche und gesellschaftliche Gegenwart vorbereitet werden, die von Widersprüchen, Zielkonflikten und Dilemmata geprägt ist? Welche Lernräume benötigen sie, um komplexe Probleme nicht nur zu analysieren, sondern auch verantwortungsvoll mitzugestalten?
Der Lehr- und Forschungsstandort der TH Köln am Rande der riesigen Deponie bot einen besonders eindrücklichen Rahmen, um über das Wirken des Menschen und die Hochschulbildung der Zukunft nachzudenken.
Anhand von Praxisbeispielen der TH Köln und der FH Aachen sowie von Hochschulen aus den Niederlanden und Österreich konnten die Teilnehmenden erkunden, wie transformatives Lernen in der Hochschulpraxis aussehen kann. Zugleich brachten sie eigene Erfahrungen und Ideen in den Austausch ein.
Das Format hat mir extrem viele Möglichkeiten zum Austausch und Kennenlernen FH Aachen und FH Köln gegeben, das ganze in einem spannenden Umfeld mit tollen Gastgebern! Sehr bereichernd!
Kai Gehrmann, FB 4
Beispiel: Projekt TraiL
Die TH Köln rückt das Thema Transformation in den Mittelpunkt ihrer aktuellen Hochschulentwicklung. Ziel des hochschulweiten Projekts TraiL ist es, Hochschulbildung für gesellschaftliche Transformationen wirksam zu machen und die dafür notwendigen Veränderungen nachhaltig in den Lehr- und Studienstrukturen zu verankern: (Link zur Projektseite TraiL).
Veränderte Zeitstrukturen, inter- und transdisziplinäre Ansätze sowie ein akademisches Mentorat sollen individualisierte Studienverläufe ermöglichen. Studierende sollen dadurch bereits während des Studiums lernen, zukünftigen beruflichen und gesellschaftlichen Herausforderungen kompetent und verantwortungsvoll zu begegnen.
Transformativer Studiengang MPEC
in besonders innovatives Beispiel ist der Studiengang MPEC. Die jeweils rund 20 Studierenden einer Kohorte belegen in den ersten beiden Semestern pro Semester nur ein umfassendes Modul. Im Mittelpunkt steht jeweils eine komplexe Projektaufgabe. Die dafür benötigten fachlichen Grundlagen werden bedarfsorientiert – also „on demand“ – vermittelt: Link zur Studiengangsseite.
“Tiefes Lernen und Kreativität brauchen Raum und Zeit, gerade Zeit könnten wir durch eine Veränderung unserer Zeitstrukturen, wie begleitete Selbstlernphasen in Projektstrukturen oder auch Blockung der Lehrinhalte den Lehrenden und Lernenden zur Verfügung stellen.”
Daniel Goldbach, FB 10
Für die Teilnehmenden und Mitwirkenden der FH Aachen bot shift! damit nicht nur Gelegenheit zur intensiven Vernetzung. Das Symposium schuf auch einen anregenden Rahmen, um vertraute Strukturen zu hinterfragen und gemeinsam darüber nachzudenken, wie eine Hochschulbildung aussehen kann, die Studierende zur aktiven Mitgestaltung gesellschaftlicher Veränderungen befähigt.
Impressionen





















