Interdisziplinarität und Digitalisierung

Fließtext-Fassung des gleichnamigen Wikis, das für den Tag der Lehre 2025 („ZwischenRaum“) erstellt wurde.

Mono-, Multi-, Inter-, Transdiziplinarität – Spektrum der Kollaboration

Die Zusammenarbeit in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft kann auf unterschiedliche Weise organisiert sein, wobei die Begriffe Monodisziplinarität, Multidisziplinarität, Interdisziplinarität und Transdisziplinarität abgestufte Formen der Verbindung zwischen Fachgebieten beschreiben. 

Monodisziplinarität bezeichnet die Arbeit innerhalb eines einzelnen Fachbereichs. Forschung und Problemlösung erfolgen hier ausschließlich auf Grundlage der Methoden, Fragestellungen und Perspektiven dieser einen Disziplin. Das ermöglicht eine hohe fachliche Tiefe, kann jedoch bei komplexen Themen zu einseitigen Sichtweisen führen. 

Multidisziplinarität hebt die Arbeit mehrerer Disziplinen zusammen, jedoch ohne starke methodische oder inhaltliche Verzahnung. Die beteiligten Fachbereiche bringen ihre eigenen Ansätze und Ergebnisse ein, bleiben jedoch weitgehend getrennt in ihrer Arbeitsweise. Problemstellungen werden dadurch aus mehreren Blickwinkeln betrachtet, doch es entstehen selten integrierte oder neue gemeinsame Methoden. 

Im Gegensatz dazu zielt Interdisziplinarität darauf ab, die fachlichen Grenzen gezielt zu überwinden. Forschende und Praktiker:innen aus verschiedenen Disziplinen arbeiten nicht nur nebeneinander her, sondern entwickeln gemeinsam Lösungen. Dabei werden unterschiedliche Denk- und Arbeitsweisen kombiniert, was zu einem tieferen Verständnis komplexer Fragen führen kann. 

Die weitestgehende Form der Zusammenarbeit ist die Transdisziplinarität. Hier werden nicht nur wissenschaftliche Disziplinen miteinander verknüpft, sondern auch Wissen und Erfahrungen aus der Praxis, aus gesellschaftlichen Gruppen oder aus anderen nicht-akademischen Kontexten einbezogen. Ziel ist die gemeinsame Entwicklung neuer Perspektiven, Methoden und Lösungsstrategien – oft über bestehende Fachgrenzen und institutionelle Rahmen hinweg. 

Diese vier Konzepte zeigen, dass sich Kooperation auf einem Spektrum bewegt: von der reinen Fachdisziplin über additive Einbindung bis zur echten methodischen und konzeptionellen Integration. Im Kontext der Digitalisierung eröffnen gerade die inter- und transdisziplinären Formen neue Chancen, da digitale Werkzeuge den Wissensaustausch und die gemeinsame Arbeit über räumliche und strukturelle Grenzen hinweg erheblich erleichtern.

Szenarien mit Digitalisierung

Digitalisierung eröffnet vielfältige Möglichkeiten interdisziplinäre Zusammenarbeit zu fördern und komplexe Fragestellungen gemeinsam (online) zu bearbeiten. Das Wiki Interdisziplinarität und Digitalisierung“ (Link-Info siehe unten) zeigt anhand konkreter Bildungs- und Arbeitsformate, wie digitale Werkzeuge den Austausch zwischen Fachdisziplinen erleichtern und neue Formen der Kooperation unterstützen können. 

Ein zentrales Szenario für Hochschullehre ist Blended Learning: Die Kombination aus Präsenzunterricht und Online-Formaten. Das zentrale Learning Mangement System (ILIAS) ist dabei ein orts- und zeitunabhängiger Speicher- und Kollaborationsort. Das Rechtemangement in ILIAS erlaubt vielfältige Zugänge und Beteiligungsoptionen – natürlich auch interdisziplinär und sogar mit multidisziplinärer Beteiligung ohne Login (z.B. Umfragen).

Das Flipped Classroom Szenario – eine hochschuldidaktische Empfehlung – trainiert Verantwortung für Beteiligung und Perspektivenwechsel durch aktivierende Methoden und einen Rollenwechsel von Lehrenden (Coach) sowie Studierenden (Akteure). Eigenverantwortung für die digitale Selbstlernphase ist besonders gefordert und kann gezielt gefördert werden (Weiterbildungs-Kompetenz).

Formate wie Gruppenarbeit, Projekte, Planspiele und Problem Based Learning (PBL) nutzen digitale Werkzeuge in ILIAS (Gruppen, Wiki, Forum etc.) oder externe Dienste, wie virtuelle Whiteboards oder Simulationssoftware. Studierende können Rollen für bestimmte Aufgaben im Team wählen. Hierbei können digitale Teamrollenfinder, wie der „Belbin-Test“ genutzt werden. Über Planspiele können wirtschaftliche, technische und gesellschaftliche Aspekte simuliert werden – ideal, um interdisziplinäre Lösungen zu entwickeln. 

Veranstaltungen im Rahmen von „Allgemeinen Kompetenzen“ können durch digitale Organisation auch zu fachübergreifenden Angeboten entwickelt werden.

Offene Bildungsressourcen (OER) und Offene Bildungspraktiken (OEP) tragen wesentlich zur interdisziplinären Arbeit bei: Frei zugängliche Materialien und Lernmethoden können über Fachgrenzen hinweg angepasst und gemeinsam weiterentwickelt werden. So entsteht eine offene Wissenskultur, die die Zusammenarbeit von Expert:innen aus verschiedenen Disziplinen beschleunigt.
Im ILIAS der FH Aachen bietet die Kategorie „Geteilte Materialien“ (fhac.de/ilias/oer im Aufbau) freien Zugang zu OER-Materialien der FH Aachen.

Mit der Einführung des FH-Chatbot (KI-Connect) und des ILIAS Assistenten (Chatbot und Generierung von formatierten Inhalten und Fragen in ILIAS) erhalten Studierende, Lehrende und Mitarbeitende der FH Aachen die Möglichkeit sich mit dem interdisziplinären Thema KI – unter besonderer Berücksichtigung von Datenschutz – zu beschäftigen.

(kritisches) Fazit: Planetare, gesellschaftliche und lokale Herausforderungen werden durch Digitalisierung (und jetzt durch KI) besonders angetrieben. Um mit dieser Beschleunigung umgehen zu können, reaktionsfähig zu bleiben, scheint Digitalisierung (und KI) unbedingt notwendig. Unabhängig davon ist Interdisziplinarität (mit planetarer, gesellschaftlicher und lokaler Orientierung) Bedingung – existentiell.

Link: Lehrende können sich nach ILIAS-Login und Beitritt zur Gruppe am Wiki beteiligen.

Das E-Learning Team berät und unterstützt bei der Anwendung von Digitalisierung (insbesondere ILIAS) – Anfragen einfach über E-Mail: [email protected]

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Winfried Kock
Team E-Learning |  | [email protected] |  Beiträge

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