Lehre bedeutet, komplexe Situationen zu gestalten und immer wieder neue Wege für gelingendes Lernen zu finden. Dabei tauchen häufig Fragen auf, die andere längst durchdacht und gelöst haben. patternpool macht dieses Wissen sichtbar und zugänglich: Die Plattform sammelt und veröffentlicht sogenannte Patterns, praxiserprobte Lösungsansätze für wiederkehrende Herausforderungen in Lehre und Hochschulentwicklung. Anders als einfache Beispielbeschreibungen geben Patterns einen strukturierten Rahmen, der den Einsatzkontext, das zugrunde liegende Problem, wichtige Einflussfaktoren, konkrete Umsetzungsschritte und die erzielten Ergebnisse nachvollziehbar macht. Durch das Zusammentragen dieser Muster entsteht ein offener Wissenspool, der den Austausch fördert und es ermöglicht, eigene Erfahrungen gezielt weiterzugeben sowie von anderen zu lernen.
Schreibretreat zur Curriculumsentwicklung
Dieses Prinzip wurde nun erstmals gezielt für die Curriculumsentwicklung genutzt: In einem mehrtägigen Schreibretreat arbeiteten Hochschuldidaktiker:innen hochschulübergreifend daran, Muster für gelingende Entwicklungsprozesse sichtbar zu machen. Es nahmen Teilnehmende aus drei Bundesländern und von fünf verschiedenen Hochschulen bzw. Universitäten teil.
In den drei Tagen wurden gemeinsam gute Lösungen gesammelt, systematisiert und als Patterns aufgeschrieben, wie z.B. die hochschuldidaktische Begleitung von Curriculumentwicklungsprozessen oder die Einbettung strategisch gesetzter Themen in Curricula bereits erfolgreich umgesetzt werden.
Das Retreat bot in entspannter, kollegialer Atmosphäre Raum für Austausch über bewährte Vorgehensweisen, Reflexion sowie konzentriertes Schreiben und ermöglichte es den Teilnehmenden, ihr Wissen zu teilen und systematisch aufzubereiten.
Wie ein Pattern-Schreibretreat abläuft
1. Pattern Mining – Erfahrungen sichtbar machen
Der Auftakt besteht darin, praxisbewährte Lösungen aus dem Hochschulalltag zusammenzutragen. In einem strukturierten Austausch berichten die Teilnehmenden von ihren bisherigen Ansätzen und Erfahrungen. Diese Beiträge werden anschließend geclustert, um wiederkehrende Muster zu erkennen – so werden bisher unsichtbare Erfolgsfaktoren sichtbar.

2. Pattern schreiben – aus Ideen werden strukturierte Beschreibungen
Im nächsten Schritt wird die spezielle Textsorte „Pattern“ eingeführt: Teilnehmende lernen, wie ein Pattern aufgebaut ist, welche Beschreibungselemente es gibt und wie daraus eine klar strukturierte, übertragbare Lösung wird. Danach wählen sie das Muster, das sie beschreiben möchten, und beginnen zu schreiben.
Besonders hilfreich sind dabei Feedback-Schleifen und fachliche Begleitung, die den Schreibprozess stützen und das Schärfen von Problem, Kontext und Lösung erleichtern.
3. Writers Workshop – Feedback aus vielen Perspektiven
Zum Abschluss folgt ein Writers Workshop: Autor:innen präsentieren ihre Entwürfe und erhalten Feedback in einem besonders wirksamen Format – als „Fly on the Wall“. Sie hören zu, ohne direkt zu reagieren, während die anderen Teilnehmenden strukturiert Rückmeldungen geben: Was ist verständlich? Wo steckt Potenzial? Wo fehlen noch wichtige Details? Dieses Format ist inspirierend und sehr gewinnbringend, weil es Perspektivwechsel ermöglicht und Texte merklich verbessert.
Mein Fazit
Das Schreibretreat hat gezeigt, wie wirkungsvoll das Arbeiten mit Patterns für die Curriculumsentwicklung sein kann:
- Tiefe Reflexion: Das Denken in klaren Pattern-Kategorien schärft den Blick auf das eigene Handeln, macht implizites Wissen sichtbar und führt zu neuen Erkenntnissen über erfolgreiche Entwicklungsprozesse.
- Kollegialer Austausch: Der intensive Dialog mit Fachkolleg:innen aus ganz Deutschland eröffnet neue Perspektiven und zeigt, welche Strukturen und Formate an anderen Hochschulen bereits erfolgreich genutzt werden.
- Professionalisierung: Wer Curriculumsentwicklungsprozesse begleitet, erhält hier Inspiration, konkrete Werkzeuge und Anschluss an eine wachsende Community, die ihre Expertise teilt und weiterentwickelt.
Insgesamt war das Retreat weit mehr als nur Zeit zum konzentrierten Schreiben: Es bot eine inspirierende Lern- und Entwicklungsumgebung, in der sich die Teilnehmenden austauschen, vernetzen und die entwickelten Patterns kennenlernen konnten. Diese gemeinschaftliche Atmosphäre legte den Grundstein für nachhaltige Impulse – sowohl für die eigene hochschuldidaktische Arbeit als auch für die Weiterentwicklung von Studiengängen insgesamt.
