Was kann ein digitaler Austausch zur Lehre leisten? Eine Untersuchung am Beispiel der hochschuldidaktischen Mittagspause „Tafel-Runde“

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Die Tafel-Runde geht online

Mit Eintritt der Corona-Pandemie ergaben sich neue Herausforderungen für die Hochschule: Innerhalb kürzester Zeit mussten sowohl die Lehre als auch alle begleitenden Angebote auf Online-Formate umgestellt werden. Dies betraf ebenfalls die FH Aachen und die Veranstaltungen des ZHQ.

Im März 2020 stellten wir innerhalb von kurzer Zeit die hochschuldidaktische Mittagspause „Tafel-Runde“ mit Unterstützung von zahlreichen Lehrenden auf ein Online-Format um. Regelmäßig trafen sich Lehrende der FH Aachen, um sich mit Kolleginnen und Kollegenauszutauschen oder sich von Praxisbeispielen inspirieren zu lassen.

Und was bringt das?

Lave & Wenger (1991) beschreiben solche informellen Netzwerke als „Community of Practice“ (CoP). Ein derartiges Format der Kommunikation hat einen bedeutenden Einfluss auf die Weiterentwicklung von Lehre: CoPs verbreiten didaktisches Wissen, Innovationsfreude und die Reflexion der eigenen Lehre (vgl. z. B. Desruisseaux 2017; Reaburn & McDonald 2017).

Wir stellten uns im Laufe des Jahres 2020 die Frage, inwiefern die Tafel-Runde Interaktionen beinhaltet, die charakteristisch für eine solche CoP sind. Diese Frage untersuchten wir Anfang 2021 anhand von drei CoP-Merkmalen im Rahmen einer Umfrage mit Unterstützung von nahezu 80 Teilnehmenden der Tafel-Runde.

  • Durch die Auswertung der Umfrage wurde deutlich, dass das CoP-Merkmal „Domäne“ vorliegt. Das bedeutet, dass die überwiegende Zahl der Umfrageteilnehmenden einen gemeinsamen, identitätsstiftenden Themenbereich, grob gesagt „die Lehre“, haben.
  • Das Merkmal „Gemeinschaft“ bezieht sich auf die Gestaltung von Kommunikations- und Interaktionswegen der Teilnehmenden. Für viele bot die Tafel-Runde eine Möglichkeit zur Knüpfung neuer Kontakte, und um Fragen zu ihrer eigenen Lehre zu thematisieren.
  • Eine gemeinsame „Praxis“ ist ein weiteres Merkmal für CoPs. Dieses beschreibt die Bereitschaft, sich in der Gemeinschaft zu engagieren sowie die Produktion und das Teilen von gemeinsamen Artefakten. Die Mehrheit der Befragten setzte beispielsweise eine konkrete Lösung aus der Tafel-Runde in der eigenen Lehre um. Zudem erhielten und nutzten die Teilnehmenden Material, das sie im Kontext der Tafel-Runde erhalten hatten.

Mit Blick auf diese drei Merkmale konnten wir feststellen, dass die Tafel-Runde dazu geeignet war, einen Beitrag zur Generierung und Aufrechterhaltung einer CoP von Lehrenden an der FH Aachen zu leisten.

Was kann man daraus lernen?

Für uns war es zum einen bedeutsam zu erfahren, dass wir mit der Tafel-Runde ein Angebot schaffen konnten, das die für die Lehrentwicklung wichtigen Zwecke des informellen Austauschs und Netzwerkens auch in Online-Zeiten unterstützt. Zum anderen konnten wir daraus die allgemeinere Schlussfolgerung ziehen, dass hochschuldidaktische Angebote nicht nur in Präsenz, sondern auch im Online-Format, in der Lage sind, diese Zwecke zu erreichen.

Und deswegen machen wir weiter… Auch wenn ein Ende der reinen Online-Kommunikation – zumindest vorübergehend – absehbar ist, möchten wir Ihnen mit der digitalen Tafel-Runde weiterhin einen Ort für informellen Austausch und Zusammenarbeit bieten.

Falls Sie Interesse haben, sich intensiver mit unseren Untersuchungsergebnissen, dem Konzept der CoP und der Tafel-Runde auseinanderzusetzen, können Sie dies unkompliziert tun. Seit Anfang April ist die Studie erschienen und Sie können unter folgendem Link einen Blick hinein werfen: https://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-5984-9/hochschulen-in-der-pandemie/

Und: Natürlich muss es eine Tafel-Runde zu diesem Thema geben. Insofern freuen wir uns, wenn Sie am 2. Mai, 12 Uhr, vorbeischauen und sich über die Studie in einer Tafel-Runde informieren. Die Zugangsdaten zur Veranstaltung finden Sie im ZHQ-Veranstaltungskalender: fhac.de/ZHQkalender

Stefka Weber, Florian Rosenthal & Christiane Katz

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