Wie steht es um die Methodenauswahl in meinen Veranstaltungen?

Dieser Beitrag ist Teil einer Serie von Blogbeiträgen zur Vorstellung zentraler Items aus dem Lehrveranstaltungsfragebogen der FH Aachen. In dieser Serie bereits erschienen ist folgender Beitrag: Wie steht es um Lernzielorientierung & Struktur in meinen Veranstaltungen?

Ausgehend von den festgelegten Lernzielen und Veranstaltungsinhalten, stellt sich die Frage, mit welchen Lehrmethoden diese erreicht werden sollen. Im Standardfragebogen zur Lehrevaluation der FH Aachen sind die folgenden beiden Items zum Thema enthalten:

  • Die in der Live-Lehrveranstaltung (inkl. Sprech-/Fragestunde) eingesetzten Formate (z.B. Vortrag, Diskussion, Einzel- & Gruppenarbeit) waren gut geeignet, die Inhalte der Lehrveranstaltung zu erarbeiten und zu verstehen.
  • Die Angebote zum Selbststudium (z.B. Lernvideos, Aufgaben, Skripte, Forum/Chat) haben mir insgesamt geholfen die Inhalte der Lehrveranstaltung zu erarbeiten und zu verstehen.

Die Wahl der Lehrmethoden hat einen großen Einfluss auf den Lernerfolg (Frey & Frey-Eiling 2010, S. 3 ff.). Auch wenn die Zahl der möglichen Methoden groß ist, gibt es einige Anhaltspunkte, an denen man sich orientieren kann. Sie sollte natürlich zu einem selbst, zur konkreten Gruppe der Studierenden und zu den zeitlichen oder räumlichen Rahmenbedingungen passen. Im Zuge der pandemiebedingten Umstellung auf Onlinelehre etwa haben wir Angebote und Informationen zu rein digitalen Lehrszenarien oder zu hybrider Lehre zusammengestellt, und ihre Datenschutzkonforme Nutzung verfolgt.

Didaktische Planung geht grundsätzlich immer mit einer Gliederung der Lehr-/Lernprozesse einher. Da die Wahl der Methoden mit der Phase im Lehr-/Lernprozess zusammenhängt, beschreiben Waldherr und Walter (2009) in ihrem Taschenbuch (als Onlineressource in der Hochschulbibliothek) u.a. spezifische Methoden für den Beginn, für die Anknüpfung an studentisches Vorwissen, für die individuelle oder gemeinsame Erarbeitung neuen Wissens sowie für die Anleitung und Begleitung von Diskussionsprozessen oder individuellen Selbstlernphasen (zu  Orientierungsphasen sei auf den Blogbeitrag zum Advance Organizer verwiesen).

Die Wahl der Lehrmethoden und -techniken hängt darüber hinaus mit dem Level der angestrebten Lernziele zusammen (Ulrich 2016, S. 38). Überblicksartiges Wissen kann durch einen kürzeren Vortrag kennengelernt, aber nur oberflächlich verstanden werden, wohingegen Tiefenlernen eine intensive Bearbeitung des Lerngegenstandes voraussetzt (Marton & Säljö 1976). Gleiches gilt für die Prüfungen, die zu Lernziel und Lernlevel passen müssen, um auch eine valide Aussage zum jeweiligen Lernstand – und im Falle einer Zwischenprüfung auch zu den nötigen Anpassungen von Lehr- und Lernprozessen – machen zu können. Mit einer transparenten Verschränkung von Lehr-/Lernprozess und Prüfungsaufgaben erreichen Ihre Lernziele auch die weniger motivierten Studierenden, die sich im Zweifel mehr an den konkreten Prüfungsanforderungen orientieren, als an dem, was sie lernen sollen (Biggs & Tang 2011).  Zur Verzahnung von Lernzielen, Lehren und Prüfen sei auf einen Blogbeitrag zum Planen und Bewerten von mündlichen Prüfungen und einen Steckbrief der TH Köln zum Constructive Alignment verwiesen. Eine Überblickstabelle über mögliche Lehr- und Prüfungsmethoden entlang des Levels der Lernziele findet sich bei Ulrich (2016) auf den Seiten 46 und 47 (siehe Abbildung), eine detaillierte Darstellung der einzelnen Methoden ab Seite 199. Darüber hinaus sei beispielhaft auf die ausführliche Darstellung unterschiedlicher Lehrformate und -methoden der Ruhr-Universität Bochum und den Steckbrief der TH Köln zur Konzeption von Lernräumen verwiesen.

Das passende Weiterbildungsangebot des ZHQ zum Aufbau und Weiterentwicklung von kompetenzorientierten Prüfungen beginnt wieder im September 2022.

Überblickstabelle über mögliche Lehr- und Prüfungsmethoden entlang des Levels der Lernziele (Ulrich 2016: S. 46-47)

Die oben genannten Items des Standardfragebogens erheben die Sicht der Studierenden auf die eingesetzten Lehrmethoden und -materialien bzw. ihre Nützlichkeit für den Lernprozess nur global über die gesamte Veranstaltung hinweg. Vertiefend können die Antworten auf offene Fragen sowie der anschließende Austausch mit den Studierenden mit herangezogen werden. Drei von vier Lehrenden der FH Aachen wünschten sich in einer entsprechenden Umfrage über die allgemeinen Items hinaus ein spezifisches Feedback zu bestimmten in der Lehrveranstaltung eingesetzten/ausprobierten Methoden oder Materialien. Dies soll in Zukunft über optionale und veranstaltungsspezifische formulierbare Fragen ermöglicht werden.

Literatur

Biggs, J. B., & Tang, C. (2011). Teaching for quality learning at university (4. Aufl.). Maidenhead: Open University Press/Mc Graw-Hill Education.

Frey, K., & Frey-Eiling, A. (2010). Ausgewählte Methoden der Didaktik. Stuttgart: UTB.

Marton, F., & Säljö, R. (1976). On qualitative differences in learning. I – Outcome and process. British Journal of Educational Psychology, 46, 4–11.

Ulrich, I. (2016). Gute Lehre in der Hochschule. Praxistipps zur Planung und Gestaltung von Lehrveranstaltungen. Wiesbaden: Springer.

Waldherr, F., & Walter, C. (2009). didaktisch und praktisch: Ideen und Methoden für die Hochschullehre. Stuttgart: Schäffer-Poeschel.

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Eine kurze Frage ...

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3 Kommentare

Vielen Dank für den spannenden Beitrag. Da Lernziele meistens auf den kognitiven Aspekt definiert werden (z. B. durch Lerntaxonomie), bin ich der Meinung, dass affektive und konative Aspekte bei der Formulierung der Lernziele, Konzeption und Auswahl der Lehrmethode und der Leistungsüberprüfung zu betrachten werden. Gibt es vielleicht hier Beiträge, die zeigen könnten, wie Lehrende beide Aspekte auch in der Planung und Durchführung der Lehrveranstaltung einbeziehen können?

Spannende Frage. Ehrlich gesagt sind uns hierzu keine Veröffentlichungen bekannt. Du könntest vllt noch die erste sein die dazu etwas schreibt;)

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